Der Countdown läuft…

In der vergangenen Woche ist endlich der Katalog in den Druck gegangen! Schon bald werden wir uns an die Hängung der Ausstellung machen, natürlich berichten wir auch darüber an dieser Stelle. Derweil wird schon kräftig die Werbetrommel gerührt. Wir freuen uns, dass die Ausstellungsankündigungen schon auf den Webseiten unseres Instituts und Departments zu finden sind – auch auf facebook gibt es eine Eventseite zur Eröffnung.

Julius Bissier, Abstrakte Komposition, 1964 (Detail) © Archivo Bissier, Ascona / VG Bild-Kunst, Bonn 2015
Julius Bissier, Abstrakte Komposition, 1964 (Detail) © Archivo Bissier, Ascona / VG Bild-Kunst, Bonn 2015

Bis jetzt können wir nur das Titelbild unseres Kataloges zeigen. Das macht hoffentlich neugierig? Ab 4. Oktober wird er dann im Franz Marc Museum und sicher auch im Online-Shop erhältlich sein.

Advertisements

shades of black

Üblicherweise verbringen wir die vorlesungsfreien Monate zwischen Sommer- und Wintersemester mit Exkursionen, Seminararbeiten, Summer Schools und dem ein oder anderen Strandurlaub – in diesem Jahr ist alles ein wenig anders, denn der Countdown zu unserer Ausstellungseröffnung am ersten Oktoberwochenende läuft. Wir warten gespannt auf die Korrekturfahne des Kataloges, die Saaltexte bekommen ihren letzten Schliff, Veranstaltungen werden geplant und Führungskonzepte ausgearbeitet. Vom Sommerloch keine Spur, während die Pressearbeit Fahrt aufnimmt.

Es ist also nun auch an der Zeit, an dieser Stelle das Blog-Sommerloch zu stopfen und mit einem — Trommelwirbel — endlich den offiziellen Titel unserer Ausstellung zu verkünden, der da lautet shades of black. Grafik der Nachkriegszeit. Weil der Pressetext zur Ausstellung auch schon auf der Website des Franz Marc Museums abrufbar ist, wollen wir ihn hier zitieren und damit Lust auf die Ausstellung machen:

[…] Die Auswahl der Werke reicht von frühen Papierarbeiten Fritz Winters über Werke der Gruppe ZEN 49 bis zu Siebdrucken der Künstlerin Niki de Saint Phalle. Die ausgewählten Arbeiten aus der Sammlung Galerie Stangl können teilweise erstmalig in den Räumen des Franz Marc Museums gezeigt werden. Einerseits möchte die Ausstellung ein Fenster in die Zeit nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs öffnen und andererseits neue Zugänge zur grafischen Nachkriegsabstraktion ermöglichen.

Einen weiteren Themenschwerpunkt der Ausstellung bilden die Kontexte des Kunstbetriebs in München ab 1945. In der Kunstgeschichtsschreibung wurde die Abstraktion nach 1945 häufig als pointierte Gegenposition zu Kunst und Kunstpolitik des NS-Staates formuliert. Die Ausstellung shades of black will eine differenzierte Betrachtung begünstigen und Arbeiten dieser Zeit genauer in den Blick nehmen. Erstmals wird dabei auch das bisher wenig beachtete Kunstkabinett Otto Stangl, in dem vorwiegend druckgrafische Arbeiten verkauft wurden, umfangreicher gewürdigt. […]

Also: den 4. Oktober rot im Kalender anstreichen und für einen Ausflug nach Kochel reservieren! Zuvor steht uns in den Ferien noch ein gemeinsamer Ortstermin bevor: der Tag der Hängung, an dem wir unserer Ausstellung endlich ihre Umsetzung im musealen Raum geben.

Max Westphal

Ein Puppenhaus voller Bilder

„Das können wir ja dann in der nächsten Woche noch besprechen,“ – ein Satz, der während vergangener Treffen öfters fiel, wenn die Zeit knapp wurde. Als er auch am vergangenen Dienstag durch den Raum schwirrte, kamen wir ins Stocken – er galt nicht mehr! Die letzte Semesterwoche war angebrochen und somit auch unseren wöchentlichen Fahrten ins blaue Land ein Ende gesetzt. Einmal noch rollten wir im Kollektiv um 9.00 aus dem Hauptbahnhof München. Kaum hingesetzt landeten die Notizbücher auf den Tischchen und Computer auf dem Schoß – emsige Absprachen auf dem Weg nach Kochel. Nebenbei: Müsli essen, Kaffee trinken, zurückhaltendes Gähnen.

kreis

Nachdem sich unser Kreis vor dem kubischen Bau eingefunden hatte, führte kein Schritt mehr in die Museumsräume; es ging gleich an den Besprechungstisch des Direktionsbüros. Erstmalig wurde der Tisch in die Mitte gerückt, so dass wir uns allesamt rund um das Modell des Museums sitzen konnten. Der erste Teil der Sitzung galt aber noch dem, so könnte man sagen, Masterplan. Einige Punkte des Rahmenprogramms konkretisierten sich, auch an der Pressestrategie wird in enger Zusammenarbeit mit der Presseabteilung des Museums gearbeitet. So manch eine munkelt, dass auch das Franz Marc so verbundene Lenbachhaus schon über unsere Vorhaben in Kochel Bescheid weiß. Wir sind schon ganz aufgeregt, all das endlich bekanntzugeben! Blicke in den Kalender, Zwischenbesprechungen der Arbeitsgruppen, Fristen für die Saaltexte, Katalogdrucktermine, Versand der Presseinformationen. Am Einleitungstext für die Ausstellung wird mit Hochdruck gearbeitet.

Wieder einmal wären wir ohne das Team des Museums aufgeschmissen gewesen (DANKE!), denn so gelangten wir an eine Schere, um die kleinen Bildchen für das Maßstabsmodell auszuschneiden… Alle hatten sich Gedanken über mögliche Nachbarschaften und Kombinationen gemacht, doch Cathrin Klingsöhr-Leroy teilte mit uns als erfahrene Ausstellungsmacherin an dieser Stelle noch wichtige Leitgedanken, die bei der Konzeption einer Hängung helfen. So war es zuerst ratsam, sich für zentrale Werke zu entscheiden – also mitunter diejenigen, welche wir auch in den Katalogtexten bearbeiteten. Welche darunter sind die absoluten Blickfänger? Foto: Max Westphal Der Logenplatz einer Arbeit von Rupprecht Geiger stand ohne Diskuss für alle einstiion mmig fest. Sie soll erstmals von uns im Franz Marc Museum gezeigt werden. Dominieren in den Werken Geigers sonst leuchtende Farben, beeindruckt diese nur mit ihrer in vielen Abstufungen schimmernden Graufläche. Was passt dazu? Oder will man kontrastierend hängen? Welche Geschichte wollen wir erzählen? Wie bilden wir eine stimmige Dramaturgie aus Farbe, Form und Größen der Arbeiten? Wie integriert man Werke, die uns zwar thematisch wichtig sind, aber zunächst formal  unpassend erscheinen? FullSizeRender Fast eine Stunde lang rotierten 13 Personen um den Tisch, steckten die Köpfe über dem kleinen Häuschen zusammen, verschoben und tauschten Bilder. Es wurde probiert, angeordnet, argumentiert, verworfen, getauscht.  Irgendwann kamen wir an einen Punkt, da alle nickend am Tisch standen. Ende September ist der Termin für die Hängung gesetzt, wofür alle, die trotz Semesterferien verfügbar sind, natürlich nach Kochel fahren werden. Denn im Saal selber – so Frau Klingsöhr-Leroy – wird es dann ohnehin nochmal Diskussionen, Anpassungen und Änderungen an der Hängung geben, die in Originalgröße immer eine andere Wirkung hat als das konzipierte Modell.

FullSizeRender 2

Fast hätten wir ihn vergessen: unseren Ausstellungstitel. Um den noch einmal zu diskutieren war aber noch etwas Zeit aufgespart worden, denn aufschieben konnten wir diese Entscheidung nicht mehr. Er lautet––– ach nein, den wollen wir an dieser Stelle noch nicht verraten. Ein bisschen Zeit bleibt uns ja noch.

Im Anschluss an die gemeinsame letzte Sitzung trennten sich die Wege: Das Katalogteam traf sich noch für Absprachen mit der Grafikerin Beate List, einige fuhren direkt zurück nach München,  andere blätterten noch einmal im Nachlass und manche gönnten sich erstmalig ein (den Berichten nach) vorzügliches Mittagessen im Restaurant des Museums. Semesterende hin oder her: Bis zur Ausstellung ist noch viel zu tun, doch an diesem Punkt der Vorbereitung sind alle Aufgaben klar verteilt. Bereits mit dem kommenden Dienstag naht die Deadline für die 11 Katalogtexte. Und dann treffen wir uns sowieso wieder, um darauf im Biergarten anzustoßen.

Max Westphal (Text), Claudia Kreile (Fotos)

Sonne, See und das Geistige in der Kunst

Nach mehreren Wochen „kochelfreier“ Zeit und intensiver theoretischer Textarbeit im Rahmen unserer Schreibwerkstatt-Termine, pilgerten wir diese Woche endlich wieder von München aus zum Franz-Marc-Museum. Schon die von allen sehr geschätzte Zugfahrt konnte nicht minder produktiv sein. So hatten sich in den letzten Wochen alle beteiligten Studierenden auf einen Künstler und dessen Werk oder ein spezielles Themengebiet spezialisiert und sich eifrig in die dazu vorhandene und relevante Literatur eingelesen. kochelsee Kochel empfing uns mit strahlendem Sonnenschein und wirklich hochhochsommerlichen Temperaturen. Umstände, die unserem Ansporn jedoch keinerlei Abbruch taten: Hochmotiviert  machten wir uns zusammen mit Frau Prof. Dr. Burcu Dogramaci und Dr. Cathrin Klingsöhr-Leroy (wortwörtlich) ans Werk und fassten zusammen, was wir in den letzten Wochen geschafft hatten. Die Künstler- und Werkauswahl ist getroffen, das Ausstellungskonzept steht in seiner Rohfassung. Die Akzentuierung der Ausstellung liegt auf dem künstlerischen Schaffen, auf den Grafiken und Gemälden der Künstler der Nachkriegszeit und -abstraktion und auf deren Material und Technik und deren vielleicht besonderer Entstehungsprozess. Die gezeigten und besprochenen Werke vereint außerdem, dass sie alle aus dem Konvolut der Sammlung der Münchner Galerie Stangl stammen. Ein weiterer Schwerpunkt wird deswegen auch auf den zeitlichen Kontext nach dem zweiten Weltkrieg und vor allem auf Etta und Otto Stangl als Dreh- und Angelpunkt und die Galerie Stangl als Plattform der gezeigten künstlerischen Positionen gelegt. IMG_8667

Nun ging es in der Gruppe um die Vermittlungs- und Öffentlichkeitsarbeit der anstehenden Ausstellung. Der erste Diskussionspunkt galt dem Begleitprogramm zu der Ausstellung. Man kam auf die Idee, dass auch wir Studenten nach intensiver Auseinandersetzung mit dem Galerieprogramm der Galerie Stangl, unserem Know-How zu den einzelnen präsentierten Werken und deren Künstlern und auch durch unsere enge Zusammenarbeit mit dem Franz-Marc-Museum die ein oder andere ausstellungsorientierte Führung anbieten würden. Außerdem wurde überlegt, ob sich Kooperationen mit anderen Institutionen, Instituten oder Archiven anböten, ergo Vorträge oder Podiumsdiskussionen zu organisieren, die beispielsweise die Rolle der Grafik im vergangenen Jahrhundert und der heutigen Zeit zum Mittelpunkt haben könnten. FullSizeRender

Ein weiterer wichtiger Planungspunkt galt der Gestaltung und dem Inhalt des eigens für unsere Ausstellung gedachten Katalogheftchens. Die Abbildung und Präsentation der einzelnen Werke und die von den Studierenden formulierten Texte sollten in diesem einen geeigneten Rahmen finden. Die Schwierigkeit begann schon bei der Frage nach dem geeigneten Format des Kataloges, ob quadratisch oder rechteckig, welche Größe. Gute und unterhaltsame Anschauungsobjekte und eventuell interessante Anlehnungspunkte stellten die ehemaligen Kataloge der Galerie Stangl und deren typisch den 60er Jahren stringentes Design dar, wie beispielsweise der Katalog „Vor 50 Jahren – Neue Künstlervereinigung – Der Blaue Reiter“ aus dem Jahr 1962. Auch überlegten wir uns, wie der Katalog inhaltlich angelegt werden muss, um zum Einen alles übersichtlich und leicht findbar zu präsentieren und zum Anderen trotzdem auch den Gedanken und dem Argumentationsfluss der einzelnen Texte keinen Abbruch zu verlangen.

Konferiert wurde zudem auch über die Wandtexten und der Wandbeschilderung der Ausstellung und deren Gestaltung und Inhalt. Es wurde erörtert, wie wir die Museumsbesuchenden kurz und eloquent, aber auch spannend und anregend in die Ausstellung einführen könnten.

werkauseinandersetzung

Abschließend ging es ein weiteres Mal in das Depot des Museums: War die erste Begegnung mit dem Konvolut an Arbeiten vor zwei Monaten eher überwältigend durch die vielen Eindrücke und verschiedenen künstlerischen Positionen, so konzentrierte man sich bei diesem Besuch gezielt auf einzelne ausgewählte Blätter. Die theoretisch zu untersuchenden Werke konnten so noch einmal im Original alleine oder gemeinsam unter die Lupe genommen und diskutiert werden.

Das wirklich produktive Treffen ließ uns höchst motiviert für die anstehenden Aufgaben und Treffen zurück nach München fahren oder die Recherchen noch unmittelbar vor Ort im schriftlichen Nachlass von Etta und Otto Stangl zu vertiefen – und einige von uns belohnten sich zum Abschluss des Tages noch mit einem Sprung in den kühlen Kochelsee.

 Franziska Linhardt

Wenn sich kurzzeitig der Verstand verliert

FullSizeRender

Wöchentlich treffen wir uns an mitunter wechselnden Orten, halten intensive Besprechungen ab, wühlen uns durch alte Briefe und Unterlagen, kühlen uns zeitweise im Depot ab, oder eilen in kurzer Freizeit an den Kochelsee um uns zu erfrischen. Wir schreiben, planen, kuratieren eifrigst und vernachlässigen dabei auch hier und da die versprochene Dokumentation auf diesem Blog. (Wird nachgeholt, versprochen!)

Und während vieles wächst und wird, so wurden am vergangenen Dienstag Sonnenbrillen und Jacken in Kochel vergessen.
Ein Hausschlüssel im Schließfach eingesperrt, der Schließfachschlüssel verloren und Stunden später – als der vermeintliche Hausschlüsselverlust in München bereits Panik ausgelöst hatte – in Kochel unter einer Bank wiedergefunden.
Dazu ein Fahrrad, das wegen Falschparkens polizeilich entfernt und ist im Fundbüro gegen Bearbeitungsgebühr abzuholen ist.
Einige von uns stellen sich dieser Tage gerne die Frage: Where is my mind?

Unter alledem bleibt Grund zur Vorfreude: nur noch drei Monate bis zur Eröffnung ‚unserer‘ Ausstellung!

Von der Theorie zur Praxis

Nach der vergangenen Sitzung hatten wir also über 80 Werke im Depot des Franz-Marc-Museums gesichtet und viele Eindrücke und Ideen mitgenommen. Im Nachklang bekamen wir wichtige Leitfragen hinsichtlich eines möglichen Konzeptes und einer damit verbundenen Hängung an die Hand: Welche Werke sind besonders geeignet, ein Thema anschaulich zu machen? Sind es zu viele oder zu wenige für den Raum? Welche Werke sind bedeutend größer oder kleiner als die anderen? Wie können wir das nutzen oder überspielen? Lassen sich Gruppen bilden?

Schon während der letzten Zugfahrt hatten sich im intensiven Gedankenaustausch mögliche Themen und Leitfäden herauskristallisiert. Wir möchten vor allem grafische Arbeiten zeigen und damit die Frage stellen, welche Bedeutung der Grafik als Medium, vielleicht auch als Medium des Materialexperiments, speziell in der Nachkriegszeit zukommt. Bei der Sichtung der Werke waren uns zudem die Wiederkehr der Farbe Schwarz sowie die Vielfalt der Strukturen, die durch Materialität und Technik geschaffen werden, aufgefallen. Auch diesen Aspekten möchten wir gerne nachgehen.

Drei Wochen hatten wir also Zeit, diese Ansätze zu vertiefen und über eine mögliche Werkauswahl nachzudenken. Am 8. Juni treffen wir uns im „Gartenhäuschen“, dem neuen Zuhause der Besucherdienste der bayerischen Staatsgemäldesammlungen, wieder. Es handelt sich tatsächlich um ein Gartenhaus, das versteckt zwischen Bank- und Kanzleigebäuden hinter dem Karolinenplatz liegt. Nach Café Mariandl, dem Schreibtisch der Direktorin und einer improvisierten „Bürolandschaft“ im Zugabteil entdecken wir somit einen weiteren charmanten Arbeitsplatz. Auch das stete Kennenlernen neuer Orte macht dieses Seminar so kurzweilig.

Nun sitzen wir in zunehmend vertrauter Runde um einen großen Tisch unter dem Dachgiebel versammelt. Die erfahrene Kuratorin Frau Klingsöhr-Leroy bricht das Eis der anfänglichen Gespanntheit mit einer Frage, die sogleich die Kreativität anregt: „Welche Ausstellungen waren für Sie besonders eindrucksvoll und warum?“ Beim Sprechen darüber wird schnell klar, worauf es uns ankommt: wir möchten einen sinnlichen und zugleich fachlich fundierten Zugang zu den Werken schaffen, indem wir auch die Materialität der Arbeiten auf Papier in den Fokus nehmen und die spezifischen Drucktechniken anschaulich machen.

Die Ideen, unsere Gedanken in der Ausstellung auch stofflich und haptisch zu vermitteln, sprudeln nun aus uns heraus: warum nicht eine Vitrine aufstellen, in der wir die Werkzeuge der verschiedenen Druckverfahren zeigen? Oder Wand-Zettel zum Abreißen, auf denen die Techniken einfach nachvollziehbar erklärt werden? Ein Praxis-Workshop, in dem Besucher eine einfache Drucktechnik wie zum Beispiel Linolschnitt selbst ausprobieren können? Auch den Originalfotografien aus der Galerie von Etta und Otto Stangl sowie der Korrespondenz zwischen den Künstlern und dem Galeristen-Ehepaar möchten wir einen besonderen Platz in der Ausstellung einräumen.

Nach drei Stunden intensiven Arbeitens haben wir nicht nur eine Werkauswahl getroffen und die weiteren Aufgaben verteilt, sondern auch ein grobes Konzept erarbeitet, das es nun zu verfeinern gilt. Bereits am nächsten Tag werden Techniken des kreativen Schreibens erprobt sowie mit Kleber und Schere an einem ersten Entwurf für die Hängung gebastelt.

Claudia Kreile/Max Westphal

Vom Sammelsurium zum Konzept

Wanderweg zum KochelseeAus der intensiven Diskussion im Café Mariandl ergaben sich vor zwei Wochen je individuelle Rechercheaufträge, die als Basis für die weitere Ausstellungskonzeption dienen sollten. Es wurden verschiedene Themenkomplexe formuliert: Hintergrundinformationen zum Sammlerehepaar Otto und Etta Stangl und den Verbindungen zu den Künstlern und Künstlerinnen ihrer Galerie zusammentragen; die auffällige Ausweitung der (Druck-)Grafik nach 1945 untersuchen; die offensichtlich vorherrschende Dominanz abstrakter Kunst hinterfragen; vorhandene künstlerische Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, v.a. Paris und München herausfinden etc.

Angeregte Diskussionen ergeben sich schon während der Zugfahrt (Foto: Franziska Linhardt)Mit unseren Ergebnissen im Gepäck steigen wir in den Zug. Schon während der Fahrt tragen wir die prägnantesten Aspekte unserer Nachforschungen zusammen. Gegen Ende der Zugfahrt kristallisiert sich heraus, dass die Bedeutung der Grafik nach 1945 ein sehr aufschlussreiches Thema ist, das aus verschiedenen Richtungen – beispielsweise technikikonografisch – näher untersucht und ausgearbeitet werden könnte.

kisteWir besichtigen an diesem Tag im kühlen Depot entsprechend bis auf zwei Gemälde ausschließlich Grafik, die in riesigen grauen mit Schaumstoff ausgepolsterten Metallschränken lagert, den Originalschränken aus der Galerie des Ehepaars Stangl. In der Durchsicht wird die Problematik des Begriffs Grafik offensichtlich, da sowohl Zeichnungen als auch Druckgrafik subsumiert werden. Ebenso zeigt sich in den Sujets die Unterschiedlichkeit der Zielsetzungen: abstrahierende und ungegenständliche Arbeiten wie von Hans Hartung, Rupprecht Geiger, Julius Bissier sowie gegenstandsbezogene Arbeiten in Kombination mit Schrift von Niki de Saint Phalle.

Gespannte erste Blicke in den schriftlichen Nachlass von Etta und Otto Stangl

Zum Abschluss gibt uns Frau Dr. Klingsöhr-Leroy kistenweise archivierte Korrespondenz des Ehepaars Stangl mit Künstlern und Künstlerinnen der Galerie zur Durchsicht. Die teilweise mit kleinen Zeichnungen und sehr persönlichen Anmerkungen versehenen Postsachen, von Gruß- , Weihnachts-, und Geburtstagskarten über ausführlichen Briefwechsel zu Preisverhandlungen, zeugen von Herzlichkeit, Respekt und intensivem Gedankenaustausch.

Nachdem wir nun einen umfassenden Überblick über die Bestände haben, gilt es in der nächsten Sitzung zu einer engeren Auswahl der auszustellenden Arbeiten zu kommen und mit diesen ein präzisiertes Ausstellungsthema festzulegen.

Maja Schmidt (Text), Franziska Linhardt/Max Westphal (Fotos)