Vom Sammelsurium zum Konzept

Wanderweg zum KochelseeAus der intensiven Diskussion im Café Mariandl ergaben sich vor zwei Wochen je individuelle Rechercheaufträge, die als Basis für die weitere Ausstellungskonzeption dienen sollten. Es wurden verschiedene Themenkomplexe formuliert: Hintergrundinformationen zum Sammlerehepaar Otto und Etta Stangl und den Verbindungen zu den Künstlern und Künstlerinnen ihrer Galerie zusammentragen; die auffällige Ausweitung der (Druck-)Grafik nach 1945 untersuchen; die offensichtlich vorherrschende Dominanz abstrakter Kunst hinterfragen; vorhandene künstlerische Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, v.a. Paris und München herausfinden etc.

Angeregte Diskussionen ergeben sich schon während der Zugfahrt (Foto: Franziska Linhardt)Mit unseren Ergebnissen im Gepäck steigen wir in den Zug. Schon während der Fahrt tragen wir die prägnantesten Aspekte unserer Nachforschungen zusammen. Gegen Ende der Zugfahrt kristallisiert sich heraus, dass die Bedeutung der Grafik nach 1945 ein sehr aufschlussreiches Thema ist, das aus verschiedenen Richtungen – beispielsweise technikikonografisch – näher untersucht und ausgearbeitet werden könnte.

kisteWir besichtigen an diesem Tag im kühlen Depot entsprechend bis auf zwei Gemälde ausschließlich Grafik, die in riesigen grauen mit Schaumstoff ausgepolsterten Metallschränken lagert, den Originalschränken aus der Galerie des Ehepaars Stangl. In der Durchsicht wird die Problematik des Begriffs Grafik offensichtlich, da sowohl Zeichnungen als auch Druckgrafik subsumiert werden. Ebenso zeigt sich in den Sujets die Unterschiedlichkeit der Zielsetzungen: abstrahierende und ungegenständliche Arbeiten wie von Hans Hartung, Rupprecht Geiger, Julius Bissier sowie gegenstandsbezogene Arbeiten in Kombination mit Schrift von Niki de Saint Phalle.

Gespannte erste Blicke in den schriftlichen Nachlass von Etta und Otto Stangl

Zum Abschluss gibt uns Frau Dr. Klingsöhr-Leroy kistenweise archivierte Korrespondenz des Ehepaars Stangl mit Künstlern und Künstlerinnen der Galerie zur Durchsicht. Die teilweise mit kleinen Zeichnungen und sehr persönlichen Anmerkungen versehenen Postsachen, von Gruß- , Weihnachts-, und Geburtstagskarten über ausführlichen Briefwechsel zu Preisverhandlungen, zeugen von Herzlichkeit, Respekt und intensivem Gedankenaustausch.

Nachdem wir nun einen umfassenden Überblick über die Bestände haben, gilt es in der nächsten Sitzung zu einer engeren Auswahl der auszustellenden Arbeiten zu kommen und mit diesen ein präzisiertes Ausstellungsthema festzulegen.

Maja Schmidt (Text), Franziska Linhardt/Max Westphal (Fotos)

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