Sonne, See und das Geistige in der Kunst

Nach mehreren Wochen „kochelfreier“ Zeit und intensiver theoretischer Textarbeit im Rahmen unserer Schreibwerkstatt-Termine, pilgerten wir diese Woche endlich wieder von München aus zum Franz-Marc-Museum. Schon die von allen sehr geschätzte Zugfahrt konnte nicht minder produktiv sein. So hatten sich in den letzten Wochen alle beteiligten Studierenden auf einen Künstler und dessen Werk oder ein spezielles Themengebiet spezialisiert und sich eifrig in die dazu vorhandene und relevante Literatur eingelesen. kochelsee Kochel empfing uns mit strahlendem Sonnenschein und wirklich hochhochsommerlichen Temperaturen. Umstände, die unserem Ansporn jedoch keinerlei Abbruch taten: Hochmotiviert  machten wir uns zusammen mit Frau Prof. Dr. Burcu Dogramaci und Dr. Cathrin Klingsöhr-Leroy (wortwörtlich) ans Werk und fassten zusammen, was wir in den letzten Wochen geschafft hatten. Die Künstler- und Werkauswahl ist getroffen, das Ausstellungskonzept steht in seiner Rohfassung. Die Akzentuierung der Ausstellung liegt auf dem künstlerischen Schaffen, auf den Grafiken und Gemälden der Künstler der Nachkriegszeit und -abstraktion und auf deren Material und Technik und deren vielleicht besonderer Entstehungsprozess. Die gezeigten und besprochenen Werke vereint außerdem, dass sie alle aus dem Konvolut der Sammlung der Münchner Galerie Stangl stammen. Ein weiterer Schwerpunkt wird deswegen auch auf den zeitlichen Kontext nach dem zweiten Weltkrieg und vor allem auf Etta und Otto Stangl als Dreh- und Angelpunkt und die Galerie Stangl als Plattform der gezeigten künstlerischen Positionen gelegt. IMG_8667

Nun ging es in der Gruppe um die Vermittlungs- und Öffentlichkeitsarbeit der anstehenden Ausstellung. Der erste Diskussionspunkt galt dem Begleitprogramm zu der Ausstellung. Man kam auf die Idee, dass auch wir Studenten nach intensiver Auseinandersetzung mit dem Galerieprogramm der Galerie Stangl, unserem Know-How zu den einzelnen präsentierten Werken und deren Künstlern und auch durch unsere enge Zusammenarbeit mit dem Franz-Marc-Museum die ein oder andere ausstellungsorientierte Führung anbieten würden. Außerdem wurde überlegt, ob sich Kooperationen mit anderen Institutionen, Instituten oder Archiven anböten, ergo Vorträge oder Podiumsdiskussionen zu organisieren, die beispielsweise die Rolle der Grafik im vergangenen Jahrhundert und der heutigen Zeit zum Mittelpunkt haben könnten. FullSizeRender

Ein weiterer wichtiger Planungspunkt galt der Gestaltung und dem Inhalt des eigens für unsere Ausstellung gedachten Katalogheftchens. Die Abbildung und Präsentation der einzelnen Werke und die von den Studierenden formulierten Texte sollten in diesem einen geeigneten Rahmen finden. Die Schwierigkeit begann schon bei der Frage nach dem geeigneten Format des Kataloges, ob quadratisch oder rechteckig, welche Größe. Gute und unterhaltsame Anschauungsobjekte und eventuell interessante Anlehnungspunkte stellten die ehemaligen Kataloge der Galerie Stangl und deren typisch den 60er Jahren stringentes Design dar, wie beispielsweise der Katalog „Vor 50 Jahren – Neue Künstlervereinigung – Der Blaue Reiter“ aus dem Jahr 1962. Auch überlegten wir uns, wie der Katalog inhaltlich angelegt werden muss, um zum Einen alles übersichtlich und leicht findbar zu präsentieren und zum Anderen trotzdem auch den Gedanken und dem Argumentationsfluss der einzelnen Texte keinen Abbruch zu verlangen.

Konferiert wurde zudem auch über die Wandtexten und der Wandbeschilderung der Ausstellung und deren Gestaltung und Inhalt. Es wurde erörtert, wie wir die Museumsbesuchenden kurz und eloquent, aber auch spannend und anregend in die Ausstellung einführen könnten.

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Abschließend ging es ein weiteres Mal in das Depot des Museums: War die erste Begegnung mit dem Konvolut an Arbeiten vor zwei Monaten eher überwältigend durch die vielen Eindrücke und verschiedenen künstlerischen Positionen, so konzentrierte man sich bei diesem Besuch gezielt auf einzelne ausgewählte Blätter. Die theoretisch zu untersuchenden Werke konnten so noch einmal im Original alleine oder gemeinsam unter die Lupe genommen und diskutiert werden.

Das wirklich produktive Treffen ließ uns höchst motiviert für die anstehenden Aufgaben und Treffen zurück nach München fahren oder die Recherchen noch unmittelbar vor Ort im schriftlichen Nachlass von Etta und Otto Stangl zu vertiefen – und einige von uns belohnten sich zum Abschluss des Tages noch mit einem Sprung in den kühlen Kochelsee.

 Franziska Linhardt

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