Der erste Ortstermin

Mit diesem Beitrag startet das Blogprojekt, welches die Ausstellungsvorbereitung im Rahmen eines Seminars am Institut für Kunstgeschichte München in Kooperation mit dem Franz Marc Museum in Kochel dokumentarisch begleiten soll. Es werden Schlaglichter gesetzt, Einblicke in die kuratorische Praxis gegeben und nicht zuletzt Lust auf die Ausstellung gemacht, deren Eröffnung im Herbst 2015 erfolgt.

Am sonnigen Morgen des 21. April 2015 kommen wir elf Studierenden, Tutorin Hanna Holtz und Dozentin Burcu Dogramaci am Hauptbahnhof München zum ersten Mal zusammen, um uns auf den Weg nach Kochel zu machen – die etwa einstündige Fahrt vergeht mit Wiedersehen wie auch Kennenlernen sehr schnell und so haben wir, angekommen im beschaulichen Kochel, nur noch einen kleinen Fußweg vor uns. Er stimmt ein auf einen besonderen Ort: durch eine Wohnsiedlung gelangt man zu einem Wald, und mit den Schritten über die Hügelkuppe eröffnet sich ein wunderschönes Bergpanorama um den Kochelsee. Zwischen gewundenen Wegen und im Freien stehenden Skulpturen gibt sich das Franz-Marc-Museum als Bauernhäuschen mit kubischem Anbau und verlockender Caféterrasse zu erkennen. Einen schönen Eindruck vom „Dialog mit der Natur“ vermittelt das Museum mit diesem kleinen Film, der auch Einblicke in die Räumlichkeiten gibt.

Ausblick
Blick vom Vorplatz in Richtung Kochelsee
Wir werden von der Direktorin Cathrin Klingsöhr-Leroy begrüßt, die zusammen mit Burcu Dogramaci und der Hanna Holtz das Projekt begleiten wird. Erst einmal gilt es, sich im Haus zu orientieren – den Anfang macht also ein Rundgang, der uns an die Geschichte des jungen Museums, sein Profil, die Sammlung und die Architektur des Hauses heranführt.

In den unteren beiden Stockwerken findet derzeit die Ausstellung „Schöne Aussichten – Der Blaue Reiter und der Impressionismus“ statt, die wie alle Ausstellungen im Hause ihr Thema aus dem Sammlungsbestand des Hauses generiert. Akteure des Blauen Reiters werden hier insbesondere hinstichtlich ihrer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem französischen Impressionismus hinterfragt und so sieht man in der Ausstellung zahlreiche kleinformatige Ölskizzen auf Karton, die ungewohnte Einblicke in das frühe Oeuvre von Franz Marc, Gabriele Münter, Paul Klee und weiteren Künstlerinnen und Künstlern aus dem Umfeld des Blauen Reiters ermöglichen. Der Ausstellungstext gibt weiter zu verstehen:

„Vom äußeren Eindruck zum inneren Erleben“, so lässt sich die Entwicklung vom Impressionismus zum Expressionismus und zur Abstraktion des »Blauen Reiters« mit den Worten Gabriele Münters charakterisieren.

Im Erdgeschoss richtet sich unsere Aufmerksamkeit auf die Raumaufteilung, da hier auch „unsere“ Ausstellung stattfinden soll. Der große quadratische Raum, das angeschlossene Kabinett und das davorliegende Foyer sollen uns zur Verfügung stehen. In letzterem begrüßt die Besucher derzeit eine gezeichnete Karte des sogenannten blauen Landes – also Kochel, Murnau und Umgebung – wo zahlreiche der derzeit ausgestellten Werke entstanden sind. Wie die Karte ist auch eine Timeline von einem zeitgenössischen Künstler mit Ölpastellkreide direkt an die Wand aufgebracht worden – ein abwechslungsreiches und besonderes Detail. Kleine Schmierflecken im unteren Bereich beweisen dabei die Neugierde und Bewunderung der jüngeren Besucher gegenüber einer solchen Herangehensweise!

Die Ausstellungsräume des oberen Stockwerkes zeigen ausgewählte Werke der Sammlung von der klassischen Moderne bis zur jüngsten Kunstgeschichte. Zum Abschluss wartet auf uns das berühmte ‚letzte Bild‘ des Museums – wo in den unteren Geschossen die kleinen Kabinette waren, befindet sich hier ein mit Sitzgelegenheiten ausgestatteter Raum, dessen großes Panoramafenster einen weiten Blick auf den Kochelsee und sein Umland bietet – ein beliebter Ort, um die Gedanken schweifen zu lassen, mit einem großen ‚Bild‘, das jeden Tag anders aussieht.

Nach dem Rundgang kommen wir in den über dem Museumscafé gelegenen Büroräumen am runden Tisch zusammen und tauschen uns über Vorerfahrungen und Erwartungen aus. Es ist erstaunlich, wie viel verschiedene Fähigkeiten wir Teilnehmenden bereits mitbringen und wie weit gestreut die Interessen sind – es bleibt mit Vorfreude zu erwarten, wie viel wir auch voneinander lernen werden können, in einer spürbar offenen und kommunikativen Atmosphäre, wie sie dieses außergewöhnliche Seminarformat in anderer Form als der Institutsalltag in München bietet.

Abschließend geht es noch um den Sammlungsbestand, mit welchem wir arbeiten werden. Die Grafik nach 1945 schöpft sich aus der im Franz Marc Museum hinterlassenen Privatsammlung des Galeristenpaares Etta und Otto Stangl, die zur Nachkriegszeit in München tätig waren und später eine bedeutende Rolle im Aufbau des Franz Marc Museums spielten.

Als Nachtrag zur Sitzung sendet uns Cathrin Klingsöhr-Leroy eine Bestandsliste, aus welcher wir die Auswahl für die Exponate unserer Ausstellung treffen werden. Insgesamt 110 Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern von Bissier über Saint Phalle bis Winter warten darauf entdeckt und kontextualisiert zu werden – in der nächsten Woche werden wir Originale im Depot ansehen, Themenfindung betreiben und eine erste Vorauswahl treffen.

Max Westphal
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Im Depot

Zunächst gilt es, uns einen Weg zu bahnen durch das kaum zu durchdringende Gewusel des morgendlich pulsierenden Münchner Hauptbahnhofs. Menschen strömen in alle Himmelsrichtungen, aus den Zügen in die Stadt, aus der Stadt in die Züge. An Gleis 30 beruhigt sich das nervöse Pendlertreiben und macht Platz für die Vorfreude auf den zweiten Besuch im Franz Marc Museum in Kochel am See. Im Gegensatz zur bayerischen Postkarten-Idylle der vergangenen Woche – schneebedeckte Bergkuppen vor blauem Himmel – regnet es heute. Unter  bunten Regenschirmen wandern wir vom Bahnhof zum Museum, der Weg gesäumt von prächtig blühenden Magnolien und Kirschblüten.

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Endlich geht es in den „Bauch des Museums“, das Depot. Mit einem Lastenaufzug, der nur mit Spezialschlüssel zu bedienen ist, fahren wir in den Keller des Museums. Dort ist die Sammlung in einem hörbar klimatisierten Raum aufbewahrt. Die Direktorin des Hauses, Frau Dr. Klingsöhr-Leroy, hat bereits eine erste Auswahl an Werken vorbereitet, die für unsere Ausstellung zur Nachkriegsabstraktion in Frage kommen. Werk für Werk präsentiert der Depotverwalter die Schätze des Museums, begleitet von den informativen, sinnlichen und anregenden Beschreibungen der Hausherrin: graphische Arbeiten und Gemälde von Serge Poliakoff, Hans Hartung, Fritz Winter, Rupprecht Geiger und Ernst Wilhelm Nay.

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Geschützt vor dem Licht warten die Grafiken darauf, betrachtet zu werden.

Sorgfältig, interessiert, neugierig und kritisch beäugen wir die Werke, denen wir nun so nahe kommen dürfen, dass wir die Struktur des Papieres sehen, den Farbauftrag nachvollziehen, die Qualitäten des Materials erkennen können. Eine Diskussion entspinnt sich um die Frage, ob Poliakoff absichtlich tropfenähnliche Auswaschungen in seinen Farbfeldern provoziert hat, und wenn ja, ob mit wasserabweisenden Kreiden oder Wachs.

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Schritt für Schritt.

Frau Dr. Klingsöhr-Leroy kommt zudem immer wieder auf die Bedeutung der Rahmen zu sprechen. Für jedes im Museum gezeigte Werk wählt sie einen individuellen historischen Rahmen. Sie erzählt, wie sie auch privat über Antiquitätenmärkte streift und sich ein regelrechtes Netzwerk an Fachhändlern aufgebaut hat, um für jede Arbeit den passenden Rahmen zu finden. Besonderen Wert legt sie darauf, Papierarbeiten nicht mit Passepartouts zu versehen; einerseits, um keine Lichtränder zu riskieren, andererseits, um die Arbeiten in ihrer Ganzheit zu zeigen, ausgefranste Papierränder eingeschlossen.

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Uns stellt sich nun die äußerst privilegierte Aufgabe, ein Ausstellungskonzept zu entwickeln und nach persönlicher Präferenz ein Werk auszuwählen, zu dem jeder von uns einen Katalogtext verfassen wird. Doch noch ist nichts entschieden, nächste Woche sichten wir den zweiten Teil der beeindruckenden Sammlungsbestände zur Nachkriegsabstraktion.

Claudia Leonore Kreile (Text), Max Westphal (Fotos)

München statt Kochel – denken statt schauen…

Unsere dritte Zusammenkunft führte uns nicht, wie eigentlich gewünscht, zur Werksichtung ins Depot des Franz Marc Museums, sondern in den Hinterhof des Cafè Mariandl.

Zum Verständnis noch ein paar zeitliche Schritte zurück:

Heute leider kein Zug für uns!
Heute leider kein Zug für uns!
Werkstattfahrt
Erst gar kein Zug, und als er endlich kam, fuhr er in die Werkstatt…ätsch!

Nachdem wir am Münchner Hauptbahnhof   zusammen gekommen waren und Gleis 30 bis zur gewohnten Abfahrtszeit leer blieb, wurde uns bewusst, dass heute unsere Chance einer Beförderung nach Kochel unter den gegebenen Bedingungen – groß angelegter Streik der GDL – relativ unrealistisch sei.

So beschlossen wir, uns über die zukünftige Organisation unseres Projekts und über mögliche Ausstellungskonzepte auszutauschen. Hierfür begaben wir uns vom Hauptbahnhof in das besagte Kaffeehaus am Beethovenplatz.

Brainstorming im Hinterhof des Cafès Mariandl
Brainstorming im Hinterhof des Cafès Mariandl

Obwohl wir bei unserer letzten Sitzung erst eine kleine Anzahl der für die Ausstellung in Frage kommenden Werke gesichtet hatten, gab es bereits genügend Stoff zum Brainstormen. Erste Ideen, Erfahrungen und Meinungen konnten ausgetauscht und zu gedanklichen Verbindungen zusammen geführt werden. Der Duft von Kaffee, warmer Luft und Vogelgezwitscher als Soundkulisse wirkten sich anscheinend positiv aus auf unseren Gedankenaustausch, der zu einem vielversprechenden Sammelbecken zentraler Fragen über die Kunst in der Nachkriegszeit in Deutschland und außerhalb seiner Grenzen führte.

Als Verbildlichung könnten wir uns den nun in Gang gesetzten Prozess wie den Bau eines Spinnennetzes vorstellen: die Produktion feinster Fäden, die locker und richtungslos hängen und zu einem festen, funktionierenden Gewebe gespannt werden, indem sie durch fundamentale Knotenpunkte verbunden werden und an gewissen Stellen auch wieder abreißen.

Die Phase der Konzeptfindung hat heute definitiv begonnen und so die Suche nach einem thematischen Überbau der Ausstellung eingeleitet, die im Oktober eröffnet wird.
Wir werden uns nun zurückziehen und die heute produzierten Fadenansätze verfolgen und weiterspinnen.

Im Archiv des Franz Marc Museums
Im Archiv des Franz Marc Museums

In zwei Wochen werden wir uns wieder ins Depot begeben, um weitere Originale zu begutachten und das Netz unter einigen der heute zusammen getragenen Gesichtspunkten und dem angeeigneten Hintergrundwissen weiterflechten.

Das Gute an Planänderungen sind unerwartete Denkrichtungen.
Wenn nicht Marc, dann halt Mariandl…

Text und Photos: Iris Nocker, Zeichnung: Claudia Leonore Kreile

Vom Sammelsurium zum Konzept

Wanderweg zum KochelseeAus der intensiven Diskussion im Café Mariandl ergaben sich vor zwei Wochen je individuelle Rechercheaufträge, die als Basis für die weitere Ausstellungskonzeption dienen sollten. Es wurden verschiedene Themenkomplexe formuliert: Hintergrundinformationen zum Sammlerehepaar Otto und Etta Stangl und den Verbindungen zu den Künstlern und Künstlerinnen ihrer Galerie zusammentragen; die auffällige Ausweitung der (Druck-)Grafik nach 1945 untersuchen; die offensichtlich vorherrschende Dominanz abstrakter Kunst hinterfragen; vorhandene künstlerische Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich, v.a. Paris und München herausfinden etc.

Angeregte Diskussionen ergeben sich schon während der Zugfahrt (Foto: Franziska Linhardt)Mit unseren Ergebnissen im Gepäck steigen wir in den Zug. Schon während der Fahrt tragen wir die prägnantesten Aspekte unserer Nachforschungen zusammen. Gegen Ende der Zugfahrt kristallisiert sich heraus, dass die Bedeutung der Grafik nach 1945 ein sehr aufschlussreiches Thema ist, das aus verschiedenen Richtungen – beispielsweise technikikonografisch – näher untersucht und ausgearbeitet werden könnte.

kisteWir besichtigen an diesem Tag im kühlen Depot entsprechend bis auf zwei Gemälde ausschließlich Grafik, die in riesigen grauen mit Schaumstoff ausgepolsterten Metallschränken lagert, den Originalschränken aus der Galerie des Ehepaars Stangl. In der Durchsicht wird die Problematik des Begriffs Grafik offensichtlich, da sowohl Zeichnungen als auch Druckgrafik subsumiert werden. Ebenso zeigt sich in den Sujets die Unterschiedlichkeit der Zielsetzungen: abstrahierende und ungegenständliche Arbeiten wie von Hans Hartung, Rupprecht Geiger, Julius Bissier sowie gegenstandsbezogene Arbeiten in Kombination mit Schrift von Niki de Saint Phalle.

Gespannte erste Blicke in den schriftlichen Nachlass von Etta und Otto Stangl

Zum Abschluss gibt uns Frau Dr. Klingsöhr-Leroy kistenweise archivierte Korrespondenz des Ehepaars Stangl mit Künstlern und Künstlerinnen der Galerie zur Durchsicht. Die teilweise mit kleinen Zeichnungen und sehr persönlichen Anmerkungen versehenen Postsachen, von Gruß- , Weihnachts-, und Geburtstagskarten über ausführlichen Briefwechsel zu Preisverhandlungen, zeugen von Herzlichkeit, Respekt und intensivem Gedankenaustausch.

Nachdem wir nun einen umfassenden Überblick über die Bestände haben, gilt es in der nächsten Sitzung zu einer engeren Auswahl der auszustellenden Arbeiten zu kommen und mit diesen ein präzisiertes Ausstellungsthema festzulegen.

Maja Schmidt (Text), Franziska Linhardt/Max Westphal (Fotos)

Von der Theorie zur Praxis

Nach der vergangenen Sitzung hatten wir also über 80 Werke im Depot des Franz-Marc-Museums gesichtet und viele Eindrücke und Ideen mitgenommen. Im Nachklang bekamen wir wichtige Leitfragen hinsichtlich eines möglichen Konzeptes und einer damit verbundenen Hängung an die Hand: Welche Werke sind besonders geeignet, ein Thema anschaulich zu machen? Sind es zu viele oder zu wenige für den Raum? Welche Werke sind bedeutend größer oder kleiner als die anderen? Wie können wir das nutzen oder überspielen? Lassen sich Gruppen bilden?

Schon während der letzten Zugfahrt hatten sich im intensiven Gedankenaustausch mögliche Themen und Leitfäden herauskristallisiert. Wir möchten vor allem grafische Arbeiten zeigen und damit die Frage stellen, welche Bedeutung der Grafik als Medium, vielleicht auch als Medium des Materialexperiments, speziell in der Nachkriegszeit zukommt. Bei der Sichtung der Werke waren uns zudem die Wiederkehr der Farbe Schwarz sowie die Vielfalt der Strukturen, die durch Materialität und Technik geschaffen werden, aufgefallen. Auch diesen Aspekten möchten wir gerne nachgehen.

Drei Wochen hatten wir also Zeit, diese Ansätze zu vertiefen und über eine mögliche Werkauswahl nachzudenken. Am 8. Juni treffen wir uns im „Gartenhäuschen“, dem neuen Zuhause der Besucherdienste der bayerischen Staatsgemäldesammlungen, wieder. Es handelt sich tatsächlich um ein Gartenhaus, das versteckt zwischen Bank- und Kanzleigebäuden hinter dem Karolinenplatz liegt. Nach Café Mariandl, dem Schreibtisch der Direktorin und einer improvisierten „Bürolandschaft“ im Zugabteil entdecken wir somit einen weiteren charmanten Arbeitsplatz. Auch das stete Kennenlernen neuer Orte macht dieses Seminar so kurzweilig.

Nun sitzen wir in zunehmend vertrauter Runde um einen großen Tisch unter dem Dachgiebel versammelt. Die erfahrene Kuratorin Frau Klingsöhr-Leroy bricht das Eis der anfänglichen Gespanntheit mit einer Frage, die sogleich die Kreativität anregt: „Welche Ausstellungen waren für Sie besonders eindrucksvoll und warum?“ Beim Sprechen darüber wird schnell klar, worauf es uns ankommt: wir möchten einen sinnlichen und zugleich fachlich fundierten Zugang zu den Werken schaffen, indem wir auch die Materialität der Arbeiten auf Papier in den Fokus nehmen und die spezifischen Drucktechniken anschaulich machen.

Die Ideen, unsere Gedanken in der Ausstellung auch stofflich und haptisch zu vermitteln, sprudeln nun aus uns heraus: warum nicht eine Vitrine aufstellen, in der wir die Werkzeuge der verschiedenen Druckverfahren zeigen? Oder Wand-Zettel zum Abreißen, auf denen die Techniken einfach nachvollziehbar erklärt werden? Ein Praxis-Workshop, in dem Besucher eine einfache Drucktechnik wie zum Beispiel Linolschnitt selbst ausprobieren können? Auch den Originalfotografien aus der Galerie von Etta und Otto Stangl sowie der Korrespondenz zwischen den Künstlern und dem Galeristen-Ehepaar möchten wir einen besonderen Platz in der Ausstellung einräumen.

Nach drei Stunden intensiven Arbeitens haben wir nicht nur eine Werkauswahl getroffen und die weiteren Aufgaben verteilt, sondern auch ein grobes Konzept erarbeitet, das es nun zu verfeinern gilt. Bereits am nächsten Tag werden Techniken des kreativen Schreibens erprobt sowie mit Kleber und Schere an einem ersten Entwurf für die Hängung gebastelt.

Claudia Kreile/Max Westphal

Wenn sich kurzzeitig der Verstand verliert

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Wöchentlich treffen wir uns an mitunter wechselnden Orten, halten intensive Besprechungen ab, wühlen uns durch alte Briefe und Unterlagen, kühlen uns zeitweise im Depot ab, oder eilen in kurzer Freizeit an den Kochelsee um uns zu erfrischen. Wir schreiben, planen, kuratieren eifrigst und vernachlässigen dabei auch hier und da die versprochene Dokumentation auf diesem Blog. (Wird nachgeholt, versprochen!)

Und während vieles wächst und wird, so wurden am vergangenen Dienstag Sonnenbrillen und Jacken in Kochel vergessen.
Ein Hausschlüssel im Schließfach eingesperrt, der Schließfachschlüssel verloren und Stunden später – als der vermeintliche Hausschlüsselverlust in München bereits Panik ausgelöst hatte – in Kochel unter einer Bank wiedergefunden.
Dazu ein Fahrrad, das wegen Falschparkens polizeilich entfernt und ist im Fundbüro gegen Bearbeitungsgebühr abzuholen ist.
Einige von uns stellen sich dieser Tage gerne die Frage: Where is my mind?

Unter alledem bleibt Grund zur Vorfreude: nur noch drei Monate bis zur Eröffnung ‚unserer‘ Ausstellung!

Sonne, See und das Geistige in der Kunst

Nach mehreren Wochen „kochelfreier“ Zeit und intensiver theoretischer Textarbeit im Rahmen unserer Schreibwerkstatt-Termine, pilgerten wir diese Woche endlich wieder von München aus zum Franz-Marc-Museum. Schon die von allen sehr geschätzte Zugfahrt konnte nicht minder produktiv sein. So hatten sich in den letzten Wochen alle beteiligten Studierenden auf einen Künstler und dessen Werk oder ein spezielles Themengebiet spezialisiert und sich eifrig in die dazu vorhandene und relevante Literatur eingelesen. kochelsee Kochel empfing uns mit strahlendem Sonnenschein und wirklich hochhochsommerlichen Temperaturen. Umstände, die unserem Ansporn jedoch keinerlei Abbruch taten: Hochmotiviert  machten wir uns zusammen mit Frau Prof. Dr. Burcu Dogramaci und Dr. Cathrin Klingsöhr-Leroy (wortwörtlich) ans Werk und fassten zusammen, was wir in den letzten Wochen geschafft hatten. Die Künstler- und Werkauswahl ist getroffen, das Ausstellungskonzept steht in seiner Rohfassung. Die Akzentuierung der Ausstellung liegt auf dem künstlerischen Schaffen, auf den Grafiken und Gemälden der Künstler der Nachkriegszeit und -abstraktion und auf deren Material und Technik und deren vielleicht besonderer Entstehungsprozess. Die gezeigten und besprochenen Werke vereint außerdem, dass sie alle aus dem Konvolut der Sammlung der Münchner Galerie Stangl stammen. Ein weiterer Schwerpunkt wird deswegen auch auf den zeitlichen Kontext nach dem zweiten Weltkrieg und vor allem auf Etta und Otto Stangl als Dreh- und Angelpunkt und die Galerie Stangl als Plattform der gezeigten künstlerischen Positionen gelegt. IMG_8667

Nun ging es in der Gruppe um die Vermittlungs- und Öffentlichkeitsarbeit der anstehenden Ausstellung. Der erste Diskussionspunkt galt dem Begleitprogramm zu der Ausstellung. Man kam auf die Idee, dass auch wir Studenten nach intensiver Auseinandersetzung mit dem Galerieprogramm der Galerie Stangl, unserem Know-How zu den einzelnen präsentierten Werken und deren Künstlern und auch durch unsere enge Zusammenarbeit mit dem Franz-Marc-Museum die ein oder andere ausstellungsorientierte Führung anbieten würden. Außerdem wurde überlegt, ob sich Kooperationen mit anderen Institutionen, Instituten oder Archiven anböten, ergo Vorträge oder Podiumsdiskussionen zu organisieren, die beispielsweise die Rolle der Grafik im vergangenen Jahrhundert und der heutigen Zeit zum Mittelpunkt haben könnten. FullSizeRender

Ein weiterer wichtiger Planungspunkt galt der Gestaltung und dem Inhalt des eigens für unsere Ausstellung gedachten Katalogheftchens. Die Abbildung und Präsentation der einzelnen Werke und die von den Studierenden formulierten Texte sollten in diesem einen geeigneten Rahmen finden. Die Schwierigkeit begann schon bei der Frage nach dem geeigneten Format des Kataloges, ob quadratisch oder rechteckig, welche Größe. Gute und unterhaltsame Anschauungsobjekte und eventuell interessante Anlehnungspunkte stellten die ehemaligen Kataloge der Galerie Stangl und deren typisch den 60er Jahren stringentes Design dar, wie beispielsweise der Katalog „Vor 50 Jahren – Neue Künstlervereinigung – Der Blaue Reiter“ aus dem Jahr 1962. Auch überlegten wir uns, wie der Katalog inhaltlich angelegt werden muss, um zum Einen alles übersichtlich und leicht findbar zu präsentieren und zum Anderen trotzdem auch den Gedanken und dem Argumentationsfluss der einzelnen Texte keinen Abbruch zu verlangen.

Konferiert wurde zudem auch über die Wandtexten und der Wandbeschilderung der Ausstellung und deren Gestaltung und Inhalt. Es wurde erörtert, wie wir die Museumsbesuchenden kurz und eloquent, aber auch spannend und anregend in die Ausstellung einführen könnten.

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Abschließend ging es ein weiteres Mal in das Depot des Museums: War die erste Begegnung mit dem Konvolut an Arbeiten vor zwei Monaten eher überwältigend durch die vielen Eindrücke und verschiedenen künstlerischen Positionen, so konzentrierte man sich bei diesem Besuch gezielt auf einzelne ausgewählte Blätter. Die theoretisch zu untersuchenden Werke konnten so noch einmal im Original alleine oder gemeinsam unter die Lupe genommen und diskutiert werden.

Das wirklich produktive Treffen ließ uns höchst motiviert für die anstehenden Aufgaben und Treffen zurück nach München fahren oder die Recherchen noch unmittelbar vor Ort im schriftlichen Nachlass von Etta und Otto Stangl zu vertiefen – und einige von uns belohnten sich zum Abschluss des Tages noch mit einem Sprung in den kühlen Kochelsee.

 Franziska Linhardt