Ein Puppenhaus voller Bilder

„Das können wir ja dann in der nächsten Woche noch besprechen,“ – ein Satz, der während vergangener Treffen öfters fiel, wenn die Zeit knapp wurde. Als er auch am vergangenen Dienstag durch den Raum schwirrte, kamen wir ins Stocken – er galt nicht mehr! Die letzte Semesterwoche war angebrochen und somit auch unseren wöchentlichen Fahrten ins blaue Land ein Ende gesetzt. Einmal noch rollten wir im Kollektiv um 9.00 aus dem Hauptbahnhof München. Kaum hingesetzt landeten die Notizbücher auf den Tischchen und Computer auf dem Schoß – emsige Absprachen auf dem Weg nach Kochel. Nebenbei: Müsli essen, Kaffee trinken, zurückhaltendes Gähnen.

kreis

Nachdem sich unser Kreis vor dem kubischen Bau eingefunden hatte, führte kein Schritt mehr in die Museumsräume; es ging gleich an den Besprechungstisch des Direktionsbüros. Erstmalig wurde der Tisch in die Mitte gerückt, so dass wir uns allesamt rund um das Modell des Museums sitzen konnten. Der erste Teil der Sitzung galt aber noch dem, so könnte man sagen, Masterplan. Einige Punkte des Rahmenprogramms konkretisierten sich, auch an der Pressestrategie wird in enger Zusammenarbeit mit der Presseabteilung des Museums gearbeitet. So manch eine munkelt, dass auch das Franz Marc so verbundene Lenbachhaus schon über unsere Vorhaben in Kochel Bescheid weiß. Wir sind schon ganz aufgeregt, all das endlich bekanntzugeben! Blicke in den Kalender, Zwischenbesprechungen der Arbeitsgruppen, Fristen für die Saaltexte, Katalogdrucktermine, Versand der Presseinformationen. Am Einleitungstext für die Ausstellung wird mit Hochdruck gearbeitet.

Wieder einmal wären wir ohne das Team des Museums aufgeschmissen gewesen (DANKE!), denn so gelangten wir an eine Schere, um die kleinen Bildchen für das Maßstabsmodell auszuschneiden… Alle hatten sich Gedanken über mögliche Nachbarschaften und Kombinationen gemacht, doch Cathrin Klingsöhr-Leroy teilte mit uns als erfahrene Ausstellungsmacherin an dieser Stelle noch wichtige Leitgedanken, die bei der Konzeption einer Hängung helfen. So war es zuerst ratsam, sich für zentrale Werke zu entscheiden – also mitunter diejenigen, welche wir auch in den Katalogtexten bearbeiteten. Welche darunter sind die absoluten Blickfänger? Foto: Max Westphal Der Logenplatz einer Arbeit von Rupprecht Geiger stand ohne Diskuss für alle einstiion mmig fest. Sie soll erstmals von uns im Franz Marc Museum gezeigt werden. Dominieren in den Werken Geigers sonst leuchtende Farben, beeindruckt diese nur mit ihrer in vielen Abstufungen schimmernden Graufläche. Was passt dazu? Oder will man kontrastierend hängen? Welche Geschichte wollen wir erzählen? Wie bilden wir eine stimmige Dramaturgie aus Farbe, Form und Größen der Arbeiten? Wie integriert man Werke, die uns zwar thematisch wichtig sind, aber zunächst formal  unpassend erscheinen? FullSizeRender Fast eine Stunde lang rotierten 13 Personen um den Tisch, steckten die Köpfe über dem kleinen Häuschen zusammen, verschoben und tauschten Bilder. Es wurde probiert, angeordnet, argumentiert, verworfen, getauscht.  Irgendwann kamen wir an einen Punkt, da alle nickend am Tisch standen. Ende September ist der Termin für die Hängung gesetzt, wofür alle, die trotz Semesterferien verfügbar sind, natürlich nach Kochel fahren werden. Denn im Saal selber – so Frau Klingsöhr-Leroy – wird es dann ohnehin nochmal Diskussionen, Anpassungen und Änderungen an der Hängung geben, die in Originalgröße immer eine andere Wirkung hat als das konzipierte Modell.

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Fast hätten wir ihn vergessen: unseren Ausstellungstitel. Um den noch einmal zu diskutieren war aber noch etwas Zeit aufgespart worden, denn aufschieben konnten wir diese Entscheidung nicht mehr. Er lautet––– ach nein, den wollen wir an dieser Stelle noch nicht verraten. Ein bisschen Zeit bleibt uns ja noch.

Im Anschluss an die gemeinsame letzte Sitzung trennten sich die Wege: Das Katalogteam traf sich noch für Absprachen mit der Grafikerin Beate List, einige fuhren direkt zurück nach München,  andere blätterten noch einmal im Nachlass und manche gönnten sich erstmalig ein (den Berichten nach) vorzügliches Mittagessen im Restaurant des Museums. Semesterende hin oder her: Bis zur Ausstellung ist noch viel zu tun, doch an diesem Punkt der Vorbereitung sind alle Aufgaben klar verteilt. Bereits mit dem kommenden Dienstag naht die Deadline für die 11 Katalogtexte. Und dann treffen wir uns sowieso wieder, um darauf im Biergarten anzustoßen.

Max Westphal (Text), Claudia Kreile (Fotos)

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