Nach der vergangenen Sitzung hatten wir also über 80 Werke im Depot des Franz-Marc-Museums gesichtet und viele Eindrücke und Ideen mitgenommen. Im Nachklang bekamen wir wichtige Leitfragen hinsichtlich eines möglichen Konzeptes und einer damit verbundenen Hängung an die Hand: Welche Werke sind besonders geeignet, ein Thema anschaulich zu machen? Sind es zu viele oder zu wenige für den Raum? Welche Werke sind bedeutend größer oder kleiner als die anderen? Wie können wir das nutzen oder überspielen? Lassen sich Gruppen bilden?

Schon während der letzten Zugfahrt hatten sich im intensiven Gedankenaustausch mögliche Themen und Leitfäden herauskristallisiert. Wir möchten vor allem grafische Arbeiten zeigen und damit die Frage stellen, welche Bedeutung der Grafik als Medium, vielleicht auch als Medium des Materialexperiments, speziell in der Nachkriegszeit zukommt. Bei der Sichtung der Werke waren uns zudem die Wiederkehr der Farbe Schwarz sowie die Vielfalt der Strukturen, die durch Materialität und Technik geschaffen werden, aufgefallen. Auch diesen Aspekten möchten wir gerne nachgehen.

Drei Wochen hatten wir also Zeit, diese Ansätze zu vertiefen und über eine mögliche Werkauswahl nachzudenken. Am 8. Juni treffen wir uns im „Gartenhäuschen“, dem neuen Zuhause der Besucherdienste der bayerischen Staatsgemäldesammlungen, wieder. Es handelt sich tatsächlich um ein Gartenhaus, das versteckt zwischen Bank- und Kanzleigebäuden hinter dem Karolinenplatz liegt. Nach Café Mariandl, dem Schreibtisch der Direktorin und einer improvisierten „Bürolandschaft“ im Zugabteil entdecken wir somit einen weiteren charmanten Arbeitsplatz. Auch das stete Kennenlernen neuer Orte macht dieses Seminar so kurzweilig.

Nun sitzen wir in zunehmend vertrauter Runde um einen großen Tisch unter dem Dachgiebel versammelt. Die erfahrene Kuratorin Frau Klingsöhr-Leroy bricht das Eis der anfänglichen Gespanntheit mit einer Frage, die sogleich die Kreativität anregt: „Welche Ausstellungen waren für Sie besonders eindrucksvoll und warum?“ Beim Sprechen darüber wird schnell klar, worauf es uns ankommt: wir möchten einen sinnlichen und zugleich fachlich fundierten Zugang zu den Werken schaffen, indem wir auch die Materialität der Arbeiten auf Papier in den Fokus nehmen und die spezifischen Drucktechniken anschaulich machen.

Die Ideen, unsere Gedanken in der Ausstellung auch stofflich und haptisch zu vermitteln, sprudeln nun aus uns heraus: warum nicht eine Vitrine aufstellen, in der wir die Werkzeuge der verschiedenen Druckverfahren zeigen? Oder Wand-Zettel zum Abreißen, auf denen die Techniken einfach nachvollziehbar erklärt werden? Ein Praxis-Workshop, in dem Besucher eine einfache Drucktechnik wie zum Beispiel Linolschnitt selbst ausprobieren können? Auch den Originalfotografien aus der Galerie von Etta und Otto Stangl sowie der Korrespondenz zwischen den Künstlern und dem Galeristen-Ehepaar möchten wir einen besonderen Platz in der Ausstellung einräumen.

Nach drei Stunden intensiven Arbeitens haben wir nicht nur eine Werkauswahl getroffen und die weiteren Aufgaben verteilt, sondern auch ein grobes Konzept erarbeitet, das es nun zu verfeinern gilt. Bereits am nächsten Tag werden Techniken des kreativen Schreibens erprobt sowie mit Kleber und Schere an einem ersten Entwurf für die Hängung gebastelt.

Claudia Kreile/Max Westphal

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